Aufatmen

Aufatmen

Neulich sah ich im Fernsehen einen Dokumentarfilm zum Thema
Essenserzeugung in den USA. Essenserzeugung nenne ich ihn, denn mit
Lebensmitteln hat diese Art industrieller Landwirtschaft nichts mehr
zu tun. Ich habe ja schon vieles gesehen, gehört, gelesen, recherchiert - aber
diese Bilder waren noch einmal eine Steigerung.
Ich will jetzt gar nicht näher davon erzählen. Von den unerträglichen
Panschereien, Tierquälereien, Produktionsbedingungen, Gifteinsätzen,
etc.....(Aber im Supermarktregal liegen ja sauber verpackte, keimfreie (haha), bunte
Packungen mit essensähnlichem Inhalt.)

Eine Stelle im Film hat mir aber Freude gemacht. Da war ein einzelner
Farmer, der Biolandwirtschaft betrieb.

Sein Credo war: "Ich will gar nicht wachsen. Größer werden. Mehr
verkaufen. Ich will gute Lebensmittel produzieren und davon anständig
leben können. Mir reicht das, was ich mache, zum leben. Mehr muss nicht sein.
Höchstens das, was ich produziere, noch besser machen."

Das hat so gut getan.

Von dem, was ich erarbeite, einfach ein gutes Leben leben zu können.
Mehr heißt nicht zwangsläufig, ein besseres Leben zu leben.
Denn: gibt es überhaupt ein besseres Leben als ein gutes Leben? Ich
glaube nicht.

Was ist ein gutes Leben für mich?
- liebe- und verständnisvolle, interessante Beziehungen zu haben
- im Einklang mit meinen Werten zu leben
- frische Lebensmittel, ein Dach über dem Kopf, Heizung im Winter
- mit offenen Sinnen die Schönheit der Natur erfassen
- Dinge tun, die für mich Sinn machen
- meine Talente erforschen
- mich einbringen, um positive Zeichen zu setzen
- schenken
- Muße haben, bummeln, träumen, in die Luft gucken, beobachten,
sinnieren, die Seele baumeln lassen
- täglich mein Herz zum hüpfen bringen
- etwas mit den Händen machen, etwas mit dem Kopf machen
- Erde zu spüren, saubere Luft zu atmen, aus einem klaren Bach zu
trinken
- Geld verdienen mit etwas, was mir entspricht
- gute Dinge kaufen zu können, die ich nicht selber herstellen kann
oder mag
- Bücher lesen 
- das Unperfekte umarmen
- staunen
- lachen
- lieben
- weinen
- akzeptieren, dass es Sachen gibt, die ich nicht ausstehen kann - und
mich trotzdem nicht von meinem Weg abbringen lassen
- leben dürfen

und noch vieles mehr.

Für manches davon braucht es Geld. Geld, das verdient werden will.
Und doch nimmt das Bewusstmachen, was es denn eigentlich für mich für
ein gutes Leben braucht, den Druck weg, Bücher verkaufen zu
müssen. Mehr zu verkaufen. Mehr zu werben. Mehr mehr.
Denn immer wieder lockt diese Falle. Klar - will ich ja auch gern mehr
Leserinnen erreichen, mehr Leserinnen eine Freude machen.

Das ist schön. Das ist wunderbar.
Aber - nicht notwendig für ein gutes Leben.

Aufatmen.
Seele baumeln lassen.

 

 

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